Eine große Schale Tee für einen Durstigen ist unbezahlbar – das meint jedefalls Yin Zhijun, die Geschäftsführerin des Lao She Teehauses in Beijing. Das ist auch der Grund, aus dem das Teehaus immer noch Dawan Cha anbietet – Tee in einer großen Schale – auch wenn die Tradition anderswo in der Hauptstadt schon fast veraltet ist.
Zur Wende zum 20. Jahrhundert wurden die großen Schalen Tee überall an Teeständen am Straßenrand angeboten, was bequem für Reisende, Besucher und Bewohner war. Doch nachdem 1949 das Neue China etabliert worden war, wurden die Stände abgeschafft.
Das Lao She Teehaus war zu Beginn der Wirtschaftsreform in den 1980er Jahren ins Leben gerufen worden, als der Gründer begann, große Schalen Tee zu vekaufen. Angesichts dessen, dass das Geschäft boomte und das Teehaus einen Ruf erlangte, restaurierten die Besitzer es 2004, und eine weitere Tradition wurde bis heute beibehalten.
Eine Schale Oolong-Tee mit Jasmin-Aroma vor dem Lao She Teehaus in Qianmen im Herzen Beijings ist wahrscheinlich das billigste Getränk in der Hauptstadt. Eine Schale kostet 2 Fen. Hinter dem Thresen bedienen Kellner des Lao She Teehauses, die Tee aus einem tragbaren Behälter zapfen und zwei Plastikeimer mit Porzellanschalen und eine Papierschachtel für die Münzen haben. Viele Leute haben gar keine 2-Fen-Münzen mehr, daher bezahlen sie meist mit einer 5-Fen-Münze oder einer 10-Fen-Münze. Tee gibt es von 10 bis 16 Uhr, und mehrere hundert Leute kommen pro Tag, so Yin.
Die aromatische Schale Tee hat ihren Preis. Wie ein Manager erklärt, kostet der Tee, der verwendet wird, rund 100 Yuan pro 500 Gramm, keine schlechte Qualität, wenn man nach Geschmack und Preis urteilt. Zwei Fen pro Schale decken kaum die Kosten. Vielmehr investiert das Teehaus jedes Jahr Hundertausende von Yuan in Tee, Wasser, Hygiene und Angestellte, so Yin. Es ist eine Hommage an den Gründer und die Geschichte des Teehauses.
Das Lao She Teahaus soll das einzige in Beijing sein, das alle sechs traditionellen Stile von Teehäusern unter einem Dach hat. Das Restaurant im ersten Stock bietet Tee für 38 Yuan pro Person an, während ein luxuriöses Terrassen-Teehaus im zweiten Stock Teekannen von 100 bis 120 Yuan anbietet und ein netter Ort ist, um Leute zu treffen.
Je größer das Geschäft wird, desto weniger wirtschaftlich rentabel ist die kleine Teebude vor dem Teehaus. Eher ist es eine Erinnerung an die Vergangenheit. Es ist eine sentimentale Verbindung zur Vergangenheit, und für die Chefin des Teehauses, die Tochter des Gründers, ist es ein Symbol der sozialen Verantwortung des Unternehmens. Sie ist der Ansicht, dass die alternde Bevölkerung Beijings Behaglichkeit in eben dieser großen Schale Tee bekommt. Es ist eine Schale Tee, die am besten die Normalbürger und ihre Kultur repräsentiert, sagt sie.
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