In der langen Geschichte des Teetrinkens hat sich eine besondere Teekultur in China herausgebildet. Das Teetrinken diente nicht allein zum Löschen von Durst, sondern auch zur Förderung von Freundschaft und Gedankenaustausch. Mit der Teekultur sind viele Kunstformen eng verbunden, zum Beispiel Gedichte, Gemälde, Kalligraphiewerke, Lieder und Tänze, Theaterstücke, Balladen. Die verschiedenen Teesitten im Volk zeigen wiederum, dass auch die einfachen Menschen ihre Teekultur hatten. In den Städten entstanden Teehäuser, die sowohl von Würdenträgern als auch von kleinen Leuten besucht wurden. Händler tauschten hier Geschäftsinformationen aus; Literaten und Gelehrte besprachen hier Kunstwerke; hier wurden sogar Streitigkeiten geschlichtet: bei einer Tasse duftenden Tees wurde versucht, dass sich die Gemüter der Streithähne legten. In Teehäusern konnte man sich auch Akrobatik- und Varietevorführungen ansehen sowie Balladengesänge und Geschichten hören. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Teehäuser ein Spiegelbild des chinesischen gesellschaftlichen Lebens waren und für das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben in China nicht wegzudenken waren. Die Tradition der Teehäuser ist bis in unsere Zeit erhalten. Die bekanntesten Teehäuser sind heute das Lao She-Teehaus in Beijing, das Teehaus "Tao Tao Ju" in Guangzhou und das Teehaus "Ba Yu" in Chongqing. Die Teehäuser in Guangzhou servieren Tee mit Teegebäck. Zur Ausstattung der Teehäuser in Sichuan gehören auch Liegestühle aus Bambus, in denen man sich bequem ausruhen und zugleich plaudern kann. Die Teehäuser in Beijing bieten vielerlei kulturelle Veranstaltungen.
Auch in den Heiratssitten hatte der Tee seinen festen Platz. Teesträucher können nicht verpflanzt werden. Bezogen auf die Heirat, wurde diese Eigenschaft der Teesträucher dahingehend gedeutet, dass die Ehe unabänderlich und standhaft sein müsse. Nahm die Familie des Mädchens den Tee an, der ihr von der Familie des Jungen als Geschenk angeboten wurde, war das ein Zeichen dafür, dass die Verlobung perfekt war. Im Roman Traum der Roten Kammer aus der Qing-Dynastie sagt Wang Xifeng zu Lin Kaiyu: "Du hast den Tee unserer Familie getrunken, willst du nicht die Schwiegertochter unserer Familie werden?"
Gäste mit Tee zu bewirten ist eine elementare Höflichkeitsform im chinesischen Volk. Eine Tasse duftender Tee für den Gast ist eine freundschaftliche Geste. So heißt es in einem alten Gedicht: "Tee für die Gäste aus der Ferne in der kalten Nacht, Eilig facht man zum Wasserkochen das Feuer an."
Schon vor der Tang-Zeit gelangte chinesischer Tee auf Land- und Seewegen ins Ausland, zuerst nach Japan und Korea, dann nach Indien und Zentralasien. In der Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie wurde Tee auch nach Arabien verschifft. Anfang des 17. Jahrhunderts exportierte man Tee nach Europa. Das Teetrinken wurde für die feine Gesellschaft in Europa ein tägliches Ritual. Zusammen mit chinesischer Seide und chinesischem Porzellan eroberte sich der Tee seinen festen Platz in der Zivilisation der Welt.
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