Die Chinesen bieten ihren Gästen gewöhnlich Tee an. Eine Unterhaltung ohne Teetrinken ist fast undenkbar. Die Selbstverständlichkeit des Teetrinkens beim Empfang eines Gastes hat eine lange Tradition.
China ist der Ursprungsort des Tees. Tee, Kaffee und Kakao gehören wohl zu den drei wichtigsten Getränken der Welt. China ist die Heimat des Tees, und Tee hat in China eine Geschichte von über 4000 Jahren. Vom 12. bis zum 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hat man angefangen, Teebäume zu pflanzen. Die Teeblätter standen in alten Zeiten nur den Königen und dem Kaiserhof zur Verfügung, und zwar als Tribut. Erst in der Westlichen Han-Dynastie (206 - 24 v. Chr.) wurden die Teeblätter dem allgemeinen Volk auf einem Markt in dem Gebiet der heutigen Provinz Sichuan angeboten.
In der Zeit der Drei Reiche (220 - 280) machte der König des kleinen Reichs Wu seine Beamte gern mit alkoholischen Getränken betrunken. Ein Beamter namens Wie Zhao hatte kein Trinkvermögen und erhielt die königliche Erlaubnis, Tee zu trinken, während die anderen Schnaps tranken. Das war der Beginn, dass Teetrinken unters Volk kam. Später fingen die Gelehrten an, ihren Gästen Tee anzubieten. In der Tang-Dynastie (618 - 907) wurde das Teetrinken schon zu einer Selbstverständlichkeit für die Chinesen.
Das ist die Tee-Geschichte in China. Aber weißt du, dass Teetrinken etwas mit Buddhismus zu tun hat? Das war ungefähr in den Jahren zwischen 713 und 741. Die buddhistischen Mönche und Anhänger wurden wegen der langzeitigen Meditation immer müde. Ein alter Mönch hatte dann die Idee, ihnen Tee anzubieten, damit ihre Hirnnerven nicht schlapp machten. Dies sprach sich herum, und der Tee wurde dann landesweit gern getrunken.
Manche Familien mit Reichtum und Ruhm in der Tang-Dynastie haben sogar ein besonders Zimmer im Haus eingerichtet, in dem sie Tee kochten, genossen und dabei zum Beispiel sich dem Studium widmen konnten. Dieses Zimmer wurde als das Tee-Zimmer bezeichnet.
Im Jahr 780 hat der Tee-Experte der Tang-Dynastie, Lu Yu, die Erfahrungen der Gesellschaft beim Tee-Pflanzen, Tee-Kochen und Tee-Trinken gesammelt und das erste Tee-Buch Chinas geschrieben, das "Chajing" - "Buch des Tees" - , heißt. Das ist das erste Buch in der Welt gewesen, das den Tee betrifft. In der Song-Dynastie (960 - 1279) bot der Kaiser Huizong nicht nur Tee seinen Beamten an, er kochte sogar den Tee eigenhändig. Im Kaiserpalast der Qing-Dynastie (1644 - 1911) wurde Tee stets ausländischen Gästen beim Bankett angeboten. Und in der heutigen Zeit veranstalten viele Gesellschaftsschichten bei wichtigen Festen wie dem Neujahrs- oder Frühlingsfest "Chahuahui", auf deutsch das "Tee-Gespräch" also.
In China ist Tee schon zu einem typischen Kulturgut geworden. Teekochen und –genuß ist auch eine Kunst. Man kann überall in China verschiedene Teehäuser sehen. Dort kann man Tee trinken, Kuchen essen und Kulturprogramme genießen. In Südchina gibt es noch Freiluft-Teehütten, wo man beim Teetrinken einen schönen Ausblick genießen kann.
Leute in verschiedenen Landesteilen haben auch unterschiedliche Teezeremonien und -gewohnheiten. Nehmen wir zuerst die Teeblätter zum Beispiel. Die Beijinger trinken gern Jasmintee, die Shanghaier Grünen Tee und die Fujianer in Südostchina trinken gern Schwarzen Tee. In manchen Gebieten ergänzen die Leute normalerweise noch den Tee durch einige Zutaten. Zum Beispiel trinken die Leute in der südchinesischen Provinz Hunan Tee mit Salz, Ingwer, gekochten Sojabohnen und Sesam als Zutaten. Deshalb wird das Teetrinken dort auch als "Tee-Essen" bezeichnet.
Es gibt in China 56 Nationalitäten. Alle Nationalitäten haben unterschiedliche Gewohnheiten beim Teetrinken. Die nationalen Minderheiten trinken oft sogar mehr Tee als andere Getränke.
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