Essstäbchen bringen die unterschiedlichsten Assoziationen hervor: köstliche chinesische Gerichte, schwer zu verwendendes Besteck oder auch abgeholzte Wälder. Jüngste Untersuchungen zeigen jedoch etwas, das für chinesische Internet-Benutzer noch weitaus beunruhigender ist: giftige Toxine. Am Sonntag hat der Schauspieler Huang Bo eine Message auf seinem Mikroblog veröffentlicht, in der er schreibt, er hätte versucht, Wegwerf-Stäbchen aus einem Restaurant zu Hause zu reinigen. Zu seinem Staunen musste er feststellen, dass die Stäbchen das Wasser gelb färbten und einen scharfen Geruch von sich gaben. "Hört auf, Einweg-Stäbchen zu verwenden. Da geht es jetzt nicht mehr nur um Umweltschutz, es geht um eure Gesundheit und euer Leben", schreibt Huang auf seinem Blog. Die Message wurde bereits 125.000 Mal weitergeleitet. Verärgerte Internet-Benutzer verlangten von Huang, den Namen des Restaurants zu veröffentlichen, das die Stäbchen ausgab. Der Filmstar erwiderte, die besagten Essstäbchen würden nicht nur in diesem einem Restaurant verwendet werden, sondern seien weit verbreitet.
Dong Jinshi, Generalsekretär an der Internationalen Vereinigung für Lebensmittelverpackung sagte, die Farbe und der Geruch der Stäbchen könnten darauf hinweisen, dass sie mit Schwefel und anderen chemischen Substanzen behandelt wurden. "Schwefel, Wasserstoffperoxid, Natriumsulfit und Schimmelinhibitor sind chemische Substanzen, die bei der Herstellung von Essstäbchen oft verwendet werden, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist", sagte Dong. China hat im Jahr 2010 einen Standard für Essstäbchen erlassen. Er enthält bestimmte Kriterien, welche chemische Zusatzstoffe gestattet sind und welche Mengen man davon verwenden kann. "Der Norm sieht beispielsweise vor, dass eine niedrige Menge an Schwefel bei der Produktion von Bambus-Essstäbchen verwendet werden darf, allerdings nur in einer sehr geringen Dosierung. Doch bei Holz-Essstäbchen ist Schwefel streng verboten", sagte Dong.
Dennoch wurde der Standard beziehungsweise die Norm nie gründlich durchgesetzt, sagte Dong der Tageszeitung China Daily. "Es gibt nicht einmal eine bestimmte Regierungsabteilung, die für die Qualitätskontrolle zuständig ist", sagte er. Die meisten Stäbchen würden in kleinen Werkstätten in Bergregionen hergestellt werden, wo die Firmen nicht einmal eine Produktionslizenz brauchen. Die Stäbchen werden dann in größere Städte verschickt, wo sie verpackt werden. "Es gibt beispielsweise sieben oder acht Essstäbchen-Fabriken im Beijinger Bezirk Daxing, die alle für die Verpackung verantwortlich sind. Da die Stäbchen durch viele Zwischenhändler gehen, können nicht einmal die Fabrikbesitzer den Ursprung der Produkte genau bestimmen", sagte Dong. Im Jahr 2010 haben chinesische Medien das chaotische Management bei der Essstäbchen-Produktion aufgedeckt. Die staatliche Lebensmittel-Administration hat daraufhin einen Aufruf veröffentlicht, nach dem die lokalen Verwaltungseinheiten ihre Bemühungen verstärken sollten, die Qualitätskontrolle für Essstäbchen zu verbessern. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde jedoch nicht auf der Webseite der Verwaltung veröffentlicht, und die Qualität der Stäbchen wurde in den folgenden Jahren auch nicht mehr als wichtiges Prüfobjekt aufgelistet.
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