Die kaiserlichen Gräber gelten als wichtiger Bestandteil der altchinesischen Architektur. Im alten China glaubte man, dass der Tod eines Menschen nur das Ende der sterblichen Hülle bedeute, während die Seele im Jenseits weiter existiere. Deshalb wurde großer Wert auf die Bestattung und die Anlage von Gräbern gelegt. Im langen Verlauf der Geschichte wurden in China zahlreiche großangelegte kaiserliche Grabanlagen gebaut, die weltweit kaum ihresgleichen finden. Im Zuge der Entwicklung wurden in den Grabbau Elemente der Malerei, Kalligraphie, Bildhauerkunst und weiterer Kunstrichtungen integriert. Die kaiserlichen Gräber zählen zu den prächtigsten und größten Komplexen der altchinesischen Archtitektur. Normalerweise wurden die Gräber nach geomantischen Gesichtspunkten an Berghängen angelegt, wobei es aber auch ein paar Ausnahmen im Flachland gibt. Zumeist wurde rund um ein kaiserlisches Grab eine Mauer mit 4 Eingängen und 4 Ecktürmen gebaut. Zum eigentlichen Grab führt dann ein heiliger Weg, der von steinernen Menschen- und Tierfiguren gesäumt ist. Auf dem Grabgelände wurden zumeist Zypressen gepflanzt, die Ehrfurcht und Ruhe ausstrahlen.
Unter allen kaiserlischen Grabanlagen sind die Ming- und die Qing-Gräber am besten erhalten.
Der Kaiser-Friedhof der Ming-Dynastie befindet sich im Vorortkeis Changping nördlich von Beijing. Hier wurden 13 Kaiser der Ming-Dynastie bestattet, nachdem Beijing als Hauptstadt der Dynastie festgelegt worden war. Deshalb wird heute auch die Bezeichnung "Dreizehn Ming-Gräber" verwendet. Nördlich der Kreisstadt Changping liegt ein Berg namens Tianshou, und gemeinsam mit seinen zwei Ausläufern links und rechts begrenzt dieser Berg ein kleines Becken, das nur an seiner südlichen Seite offen ist. Genau in diesem Becken liegen die Kaiser-Gräber am Bergrand auf einer Gesamtfläche von 40 Quadratkilometern. Auf dem Friedhof wurden insgesamt 13 Kaiser, 23 Kaiserinnen und unzählige Konkubinen, Prinzen, Prinzessinnen und Hofdamen beigesetzt.
Die Dreizehen Ming-Gräber gelten als der am besten erhaltene und am konzentriertesten gestaltete Grabbaukomplex in China. Die imposantesten Gräber sollen die Mausoleen Changling von Kaiser Chengzu und Dingling von Kaiser Shenzong sein. Nach der Freilegung der Grabanlagen wunderte man sich, wie stabil die Steinbögen als Dachträger konstruiert waren - kein einziger war gebrochen. Auch das Entwässerungssystem des Grabes wurde phantastisch gestaltet, ringsum war kaum Abwasser geblieben. All dies zeigte die hochentwickelte Tiefbau-Technologie im alten China. Dagegen gelten die 78 Quadratkilometer großen Östlichen Qing-Gräber als der imposanteste Kaiser-Friedhof mit dem am besten integrierten Bausystem unter allen erhaltenen Kaiser-Gräbern in China. Hier wurden fünf Qing-Kaiser, 14 Kaiserinnen und Hunderte von Konkubinnen und Hofdamen beigesetzt. Alle Hauptbauten wurden fein und prächtig gestaltet.
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