Bereits im 11. Jahrhundert v. Chr. gab es einen “You” genannten Park, in dem man Tiere züchtete. Könige und Fürsten jagten und vergnügten sich oft in solchen Parks. In den verschiedenen Dynastien danach wurden weitere derartige Gärten gebaut. Während der Ming- (1638-1644) und der Qing-Dynastie (1644-1912) erlebte der Bau der Gärten einen großen Aufschwung. Die meisten der heute erhaltenen Gartenanlagen stammen aus diesen zwei Dynastien.
Die Chinesen halten Gärten als eine ernsthafte Kunstform. Grundsätzlich lassen sich vier Arten von Gartenanlagen unterscheiden: die kaiserlichen, die privaten, die Tempel- oder Klostergärten und die natürlichen Parks. Sie wurden alle vom konfuzianischen, daoistischen und buddhistischen Gedankengut geprägt. Es gibt ein Sprichwort, das heißt, “Der Garten ist eine künstlerische Nachbildung der Natur, eine Landschaft in drei Dimensionen”.
Konfuzius lehrte Mäßigung als einen Weg, “Einheit von Himmel und Menschsein” zu erlangen; die beiden Daoisten Laotze und Zhuangzi lehrten die “Integration des Einzelnen mit dem Rhythmus des Lebens, Rückkehr zur Natur” und erklärten als höchste Lebenskunst “das einfache Dasein”; während in der buddhistischen Lehre das “Verneinen aller weltlichen Bedürfnisse und ein davon abgesonderten Leben” das Ideal darstellt. Dies brachte die Chinesen dazu, durchlauchte, ruhige Landschaften in entlegenen Regionen so sehr zu lieben, dass sie begannen kleine, dreidimensionale Abbildungen davon in ihren eigenen Häusern oder in deren Nähe zu kreieren, da sie zu jeder Zeit die damit verbundene Gefühlswelt präsent haben wollten.
Alle Arten chinesischer Gärten beinhalten die drei Grundelemente, die jeweils eine eigenständige Landschaft repräsentieren: Erdwälle und Wasserkörper, Pflanzen und architektonisch durchdachte Bauten. Kein chinesischer Garten ohne Steine. Jeder Pflanze und Blume eines Gartens wird eine bestimmte symbolische Bedeutung zugesprochen. Nehmen wir zum Beispiel den Bambus, dann versteht man darunter “die Korrektheit”, Pinien symbolisieren “Stärke”, der Pflaumenbaum “Anmut unter Druck” und Chrysantemen ein “einfaches Leben”. Eine wichtige Rolle spielt die Symbolik der “aus Schlamm geformten Lotus”; sie steht für “Unverdorbenheit in der Verkommenheit”. Aber auch die Zuordnung von Sträuchern, Gräsern und Blumen steht in einem gewissen Zusammenhang. Architektur und Natur verbinden sich im harmonischem Zusammenspiel von Ruhe und Bewegung.
Wenn man Elemente einer chinesischen Landschaft und Kultur aufnehmen kann, wird man verstehen, warum der chinesische Garten als einer der drei großen Gartenarten der Welt gilt, und einen weitreichenden Einfluss auf die neuen englischen Gärten hat.
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