Pekings einziges vollständig erhaltenes daoistisches Tempelkloster, das „Kloster der weißen Wolken“, ist eine gepflegte Stätte lebendiger Religiosität. Durch schattige Höfe schreitet man von Halle zu Halle, bestaunt die zahlreichen Bildwerke und betrachtet die Mönche, die in ihrer typischen Tracht vom Wadenwickel bis zum hochgesteckten Haarknoten aussehen wie alten Bildern entstiegen.
Das Kloster wurde unter Dschingis Khan im Jahr 1227 gegründet und ist seither das wohl bedeutendste nordchinesische Zentrum des Daoismus. Die meisten Gebäude stammen aus dem 17. Jh.
Ein prächtiges Schmucktor bildet mit der gegenüberliegenden Geistermauer den würdigen Auftakt. Im ersten Hof hinter dem inneren Tor hängt unter einer Marmorbrücke eine Scheibe in Form einer alten Kupfermünze. In deren Loch wiederum hängt ein Glöckchen. Bringt man es zum Klingen, indem man eine Münze dagegen wirft, so bedeutet dies Glück, und das Geld wandert in die Klosterkasse. In der ersten Halle schreckt eine Wächterfigur böse Geister ab. In der zweiten Halle sieht man den Jadekaiser, die höchste Gottheit des Daoismus, umgeben von Stern- und Himmelsgöttern. In der dritten Halle werden sieben Heilige verehrt. Die Statuen stammen aus der Ming-Zeit.
Die vierte Halle ist dem großen Lehrer und Meister Qiu Chuji (1148 bis 1227) gewidmet. Er beeindruckte Dschingis Khan durch seine Weisheit, und ihm verdankt dieses Kloster letztlich seine Existenz. Die Gebeine des Weisen ruhen unter seinem Standbild. Die letzte Halle ist zweigeschossig. Die Figuren der Drei Reinen im Obergeschoss wurden schon 1428 geschaffen.
In den kleineren Hallen westlich der Hauptachse geht es volkstümlicher zu. Hier kommen auch Frauengestalten zu ihrem Recht. Eine Halle enthält ausschließlich Muttergottheiten, die für Fruchtbarkeit, rasche und schmerzlose Geburt und für das Augenlicht der Kinder zuständig sind.
In der Halle gegenüber stehen elf große Bronzefiguren, darunter sechs Frauen. Zentrale Gottheit ist hier Wen Chang, der Schutzpatron der Literaten und Beamten. Neben ihm sieht man Konfuzius (551-479 v. Chr.) und den Vollender der neokonfuzianischen Philosophie, Zhu Xi (1130-1200). Am erstaunlichsten ist aber die Halle der Jahresgötter. Sechzig phantasievolle, bunt bemalte Tonfiguren verkörpern die Jahre des chinesischen Sechzigerzyklus. Wer hier dem Gott seines Geburtsjahres opfert, darf erwarten, dass fortan alles nach Wunsch geht.
Den nördlichen Abschluss bildet der Klostergarten mit der überdachten Ordinations- und Lehrterrasse. Ein Wandbild zeigt die daoistische Götterwelt, ein anderes, nahe der Nordostecke, stellt dar, wie die acht Unsterblichen das Meer zu den Inseln der Seligen überquerten. Nachdem sie sonst nur per Wolke verreisten, wollten sie nun einmal zeigen, dass ihnen auch weniger alltägliche Verkehrsmittel zu Gebote standen: Der eine nahm seine Krücke, der zweite einen Federfächer, der dritte eine Papierfigur, der vierte einen Fliegenwedel, der fünfte einen Blumenkorb, der sechste eine Flöte, der siebte Kastagnetten, und die einzige Frau in der Gruppe fuhr auf einem Lotosblütenblatt.
Öffnung: 8:30 – 16:00
Preis: 10 RMB
Verkehrslinien: Buslinien 319, 80, 717 an Baiyun Guan aussteigen, Buslinien 19, 42, 46, 661, 662 an Tianningsi Qiaobei austeigen.
(Quelle: Tripwolf)
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