Die Esstische durch Gitter voneinander getrennt, die Gerichte durch die Lukentür serviert, Kellnerinnen in Wächteruniform, auf der Speisekarte stehen neben den Namen der Gerichte Strafen. Im Restaurant „Prison on Fire" in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjn bekommt der Gast das Leben hinter Gittern zu schmecken.
Für Besitzer Zhou Keqiang ist sein Gefängnisthemen-Restaurant allerdings mehr als nur eine Attraktion. Es soll eine wichtige soziale Rolle spielen: „Ich möchte, dass alle meine Gäste ihre Freiheit mehr zu schätzen wissen und sich nie in kriminelle Machenschaften verwickeln", sagt Zhou, der im Alter von 17 Jahren für zwölf Monate im Tianjiner Gefängnis umerzogen wurde. „Es macht mir nichts aus, meinen Gästen zu erzählen, warum ich dieses Restaurant betreibe und ihnen meine Geschichte zu erzählen. Die Erfahrungen der Umerziehung haben mich gelehrt, fortzuleben und mich von Kriminalität fernzuhalten."
Das Restaurant hat sogar eine „Wasserfolter-Ecke", wo Gäste ihre Füße in einen kleinen mit eiskaltem Wasser gefüllten Teich stecken können. Die Gäste finden Zhous Idee faszinierend: „Ich fühle mich von der Dunkelheit hier erdrückt. Die Tapete ist dunkel, die Gerichte werden durch Lukentür serviert. Alles ist auf seltsame Art beeindruckend", erklärt Zhang Xiaonan, eine Besucherin.
Etwas Erleichterung bietet nur der Blick zur Decke auf der dritten Etage in dieser sonst so erdrückenden Umgebung. Zhou nennt die Kabine „Himmelszelle": „Das Galaxie-Motiv des Dachs soll eine erleichternde Atmosphäre schaffen", erklärt der heute 36-jährige Chef des Restaurants.
Nach dem Erfolg seines ersten Themenrestaurants arbeitet Zhou nun an weiteren Themen, darunter ein Restaurant, das wie eine Klinik eingerichtet wird und Besucher an die Bedeutung ihrer Gesundheit erinnern soll.
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