In China wurden Kaffeehäuser unterschiedlicher Größe Treffpunkte für junge Menschen. Vier Anbieter dominieren den Markt.
„Geh, trink eine Tasse Kaffee!" In China haben sich Kaffeehäuser zu beliebten Treffpunkten junger Menschen entwickelt. Laut der internationalen Kaffeeorganisation in London verzeichnet der Kaffeekonsum in China ein jährliches Wachstum von rund 15 Prozent, während ansonsten die globale Zunahme bei etwa zwei Prozent liegt.
Dieses atemberaubende Wachstum gibt China das Potential, zum weltgrößten Kaffeekonsumland zu werden. Vom schnellen Instantkaffee bis zum gepflegten Kaffeehaus entwickelte sich hier mittlerweile eine Kaffeehauskultur. Mit der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung in China erreicht das BIP von Küstenstädten wie Shanghai einen Wert wie in Industriestaaten. Dazu wächst die Zahl junger Leute, die einen europäischen und amerikanischen Lebensstil bevorzugen, immer mehr. Im Vergleich zur Generation ihrer Eltern, die eine herzliche und lebhafte Lebensweise schätzen, suchen die jüngeren in den populären Cafés nach einer besonderen, extravaganten Lebensart. Vier Vertreter aus vier verschiedenen Ländern konkurrieren und dominieren nun am chinesischen Markt.
Europa: Costa
Das im selben Jahr wie Starbucks gegründete Unternehmen Costa Coffee ist die größte Kaffeehauskette im Vereinigten Königreich und die zweitgrößte der Welt. In den chinesischen Markt trat das Unternehmen erst 2007 ein und schloss sich hier mit zwei chinesischen Unternehmen zusammen. Costa sieht großes Potential im chinesischen Markt und plant daher, bis 2020 die Zahl der Filialen auf 900 zu verdoppeln. Die Filialen von Starbucks und Costa liegen hauptsächlich in den großen Shoppingzentren. Immer mehr Geschäftsleute finden Cafés sehr wichtig, um sich mit Kunden zu treffen, daher nehmen die Angebote an die beiden Ketten mehr Filialen zu eröffnen, kein Ende.
Anfangs führte Costa in kleinen Städten auch seinen chinesischen Namen auf dem Logo, um traditioneller zu wirken, doch dadurch wurde die Marke aufgeweicht. Heute konzentriert es sich wieder mehr auf den Stil klassischer britischer Cafés. Um sich auf den wechselnden Geschmack chinesischer Kunden einzustellen, werden häufig neue Produkte entwickelt und es wird großer Wert auf die Feiertage gelegt. Unterschiedliche Produkte werden auch nach regionalspezifischen Kriterien angeboten.
Südkorea: Maan Coffee
2011 wurde die erste Filiale in China eröffnet, mittlerweile gibt es insgesamt 70 Filialen in verschiedenen Städten Chinas. Maan Coffee gilt neben Samsung Electronics und Hyundai als das erfolgreichste koreanische Unternehmen in China. Das Unternehmen will sich vor allem auf die Städte an der Küste konzentrieren und plant in den kommenden zehn Jahren 3.000 Filialen zu eröffnen. Es ist offensichtlich, dass sich die Menschen in den koreanischen Kaffeehäusern auf ihre Arbeit, Lernen oder Diskussion konzentrieren. Die Kunden kommen vor allem wegen der Atmosphäre, von der sie letztlich so angetan sind, dass sie das Café nicht mehr verlassen wollen. Diese Strategie ist das Gegenteil der Strategie Starbucks. Maan Coffee hat erkannt, was chinesische Kunden an Starbucks störte: dort gibt es gewöhnlich nicht genug Platz, während die Filialen von Maan Coffee hell und groß sind. Starbucks konzentriert sich vor allem auf „Coffee to go", während man bei Maan Coffee möchte, dass die Kunden mit ihren Computern den ganzen Tag dort verbringen. Die Filialen von Starbucks liegen in den zentralen Bezirken, Maan Coffee dagegen wählt preisgünstigere Orte wie Parks und Wohnbezirke.
China: Pacific Coffee
Die Frage, welche Kette aus China kommt, können wohl die wenigsten Menschen auf Anhieb beantworten. Gleichzeitig sind einheimische Unternehmen wie Pacific Coffee durch angepasste neue Angebote wie „Oolong-Latte" (das ist Tee aus der Provinz Yunnan mit Milch) tatkräftig am Aufholen. Pacific Coffee ist zwar im amerikanischen Stil – daher auch der Name –, kommt aber aus Hongkong. Es gibt Filialen in China, Singapur und Malaysia.
Die Pacific Coffee Company bietet Kaffee zum gleichen Preis wie Starbucks an. Gleichzeitig geht sie Partnerschaften mit anderen Firmen ein und hat bisher 260 Filialen eröffnet. Das Geschäft am chinesischen Festland soll weiter rasch ausgebaut werden – man will so schnell wie möglich 1.000 Filialen in sogenannten Bestlagen eröffnen.
Zusätzlich zu den Standardgetränken wie Café Latte wurden auch neue besondere Produkte, wie Kaffee mit Likör oder traditionelle chinesische Speisen wie Zongzi ins Angebot aufgenommen. Die Pacific Coffee Company hofft, sich von Starbucks durch an chinesische Essgewohnheiten angepasste Getränke und Speisen zu unterscheiden.
Eine weitere chinesische Alternative: das Crowdfunding Café „1898"
Derzeit ist Crowdfunding eine beliebte Methode, Investitionen anzulocken und Firmen in der Gründungsphase zu finanzieren. Die Eröffnung eines Cafés ist davon natürlich nicht ausgeschlossen.
Ein von über 70 Absolventen der Peking Universität gegründetes Café, das „1898", ist bei jungen Leuten in der nordwestchinesischen Stadt Lanzhou aktuell sehr beliebt. Es dient vor allem als Kennenlernplattform für junge Menschen mit Unternehmergeist und -wille. Im Café „1898" stehen den Gästen mehrere Regale mit Büchern und Zeitschriften voller Unternehmensgeschichten zur Verfügung. Beim Kaffee können die Besucher über gemeinsame Geschäftsprojekte diskutieren.
Bei den meisten Investoren handelt es sich um erfolgreiche Unternehmer oder Akademiker. Sie stehen den Jungunternehmern beim Start ihrer Projekte mit Rat und Tat zur Seite – insbesondere bei der Firmenregistrierung und der Finanzierung.Quelle:Beijing Rundschau
Amerika:Starbucks
Am bekanntesten ist das amerikanische Einzelhandelsunternehmen Starbucks. Vor dem Hintergrund der immer härteren Konkurrenz in China entwarf Starbucks den Plan, bis 2019 3.400 Filialen in China zu eröffnen. So soll China zum Land mit den meisten Filialen außerhalb der USA werden.
Der 26-jährige Xiao Qi arbeitet bei einer IT-Firma in Shanghai. Er ist es gewohnt, jede Woche einmal zu Starbucks zu gehen. „Bei McDonald's ist es laut und die Tische sind dort auch nicht sauber, aber hier fühle ich mich sehr wohl." Er genießt es, auf einem Sofa in einem ruhigen Raum sitzend zu lesen und Kaffee zu trinken. Sein Monatsgehalt beträgt 15.000 Yuan, was weit über dem Shanghaier Durchschnittsgehalt von 5.400 Yuan liegt. Eine Tasse Café Latte kostet ungefähr 30 Yuan, mit Süßigkeiten und Kuchen muss er etwa 100 Yuan bezahlen, was das Fünffache der normalen Kosten eines Mittagessens ist. Trotzdem meint er: „Solange ich mich gut fühle, kümmere ich mich nicht um den Preis."
In den letzten Jahren eröffnete Starbucks immer schneller immer mehr Filialen in China. Mittlerweile gibt es etwa 1.600 Starbucks-Filialen in 90 chinesischen Städten. Starbucks ist so zu der größten Marke von Kaffeehäusern in China geworden, Filialen findet man nicht mehr nur in den großen Städten, sondern auch in kleineren. Zwar kann man die bis 2019 1.800 neu vorgesehenen Filialen nicht mit den 12.000 in den USA vergleichen, dennoch ist China so für Starbucks einer der größten Märkte außerhalb der USA.
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