Grusel-China: Die Faszination des mysteriös Morbiden lässt sich im Reich der Mitte erleben mit einer Tour auf den Spuren der Toten, historischer Figuren und sagenumwobener Geister. Dafür eignen sich viele Orte, ob in der antiken Hauptstadt Beijing oder inmitten der modernen Wolkenkratzer Hongkongs. In Beijing sind drei düstere Adressen besonders reizvoll: Der Fuchsturm, die Zhangzizhonglu 3 und die Chaonei 81. Nach seiner Errichtung in der Ming-Dynastie gingen durch den alten Wachturm Dongbianmen hauptsächlich Waren ein und aus. Fledermäuse und streunende Hunde sollen sich in und um das Gebäude herumgetrieben haben. Für die überaus abergläubische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts war klar: Im Turm spukt es. Gruselgeschichten erzählen von Füchsen, die mit Totenköpfen jonglieren und sich in böse Geister verwandeln. In den 1930er Jahren wurde dann auch noch eine Tote am Fuchsturm abgelegt, Pamela Werner, die Tochter eines britischen Diplomaten.
Kleiner und deutlich baufälliger ist die verlassene französisch-barocke Villa an der vielbefahrenen Chaoyangmenneidajie 81. Leere Fenster blicken wie hohle Augen auf die rasanten Veränderungen der Beijinger Altstadt. Berühmtheit erlangte das Gebäude, dessen Hausherrin sich in den Wirren der Revolution auf dem Dachboden erhängt haben soll, vor allem auch dadurch, dass es 2014 einem Horrorfilm als Kulisse diente. Eine ganze Landkarte mit Gebäuden, in denen Menschen auf unnatürlichem Wege ums Leben kamen, gibt es in Hongkong. Das Immobilienportal spacious.hk ist einer von mehreren Anbietern, die in einer Unterkategorie "Spuk-Adressen" anbieten. Auf der interaktiven Karte von Spacious Hongkong dienen hunderte Cartoon-Gespenster als Wegweiser des Grauens und berichten per Mausklick die dunkle Geschichte der jeweiligen Adresse. "Hier hat sich ein ehemaliger Beamter erhängt", heißt es dann beispielsweise, während ein paar Straßen weiter "eine Ehefrau ihren Ex-Mann mit dem Messer niederstreckte".
Auch in der Zhangzizhonglu 3 weht der düstere Hauch der Vergangenheit um die alten Mauern der imposanten, im westlichen Stil gehaltenen Anlage inmitten der Überreste alter Hutong-Strukturen. Entstanden ist das Bauwerk 1906/07 auf den Grundmauern einer im Vorfeld abgerissenen Prinzen-Residenz. An dem gespenstisch und verwaist thronenden Haupthaus – ehemals Residenz von Warlords und Landesfürsten – nagt unerbittlich der Zahn der Zeit. Eine Gedenkstele am Eingang verweist auch noch auf „318" – eine Zahl, die für einen Studentenprotest steht, der am 18. März 1926 fast 50 Todesopfer forderte. Wer nun meint, die Immobilienvermittler hätten sich damit einen makabren Scherz erlaubt, denkt in die falsche Richtung. Die Totenkarte ist auch keineswegs Orientierungsmaterial für Geistertourismus. Chinesen sind ziemlich abergläubisch. Während für viele Objekte mit tragischen Geschichten schlechtes Karma bedeuten, winken für Pragmatiker großzügige Kaufrabatte. Vor allem Neu-Hongkonger aus dem Ausland bedienen sich dieser aus Medienberichten recherchierter Datenbanken, sagte Spacious-Gründer Asif Ghafoor gegenüber der South China Morning Post. Mittlerweile würden aber auch immer mehr Einheimische davon Gebrauch machen, vor allem chinesische Katholiken.
Die glauben nämlich, dass die Seele nach dem Tod in den Himmel wandert und nicht durch irgendwelche Räume spukt. Ein Fengshui-Experte rät in dem Artikel zu einer ordentlichen Renovierung, denn die würde der Wohnung die alten Geister ganz gut austreiben.
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