Jedes bessere Kaufhaus, jedes Schreibwarengeschäft und viele Kunstgewerbeläden verkaufen Dinge der klassischen Gelehrtenkultur, die von Kugelschreiber und Computer noch nicht verdrängt wurden.
Bei den Pinseln reicht das Spektrum von bleistiftfeinen Exemplaren für die persönliche Korrespondenz bis zu unterarmdicken Künstlerpinseln für großflächige Kalligrafien. Die Tusche, mit der geschrieben und gemalt wird, kommt in Form von mindestens feuerzeuggroßen und zuweilen künstlerisch gestalteten Blöcken daher, die erst mit Wasser zerrieben werden müssen. Die hierzu verwendeten Reibsteine aus schwarzem Basalt können klein, schlicht und billig sein, doch gibt es auch reich verzierte, riesige und sündhaft teure Exemplare.
Auch ein spezielles Papier ist erforderlich, das saugfähig ist, aber die Tusche nicht verlaufen lässt. Zum weiteren Schreibtischzubehör zählen Pinselständer, Pinseldosen aus Porzellan, in denen man die Pinsel bei Nichtgebrauch abstellt, sowie Wasserkännchen und Porzellanschalen zum Auswaschen der Pinsel.
Ebenso wichtig wie diese Utensilien sind die Siegelstempel, deren Abdruck ,vorwiegend der Name des Besitzers, in Ostasien das gleiche dokumentarische Gewicht hat wie eine persönliche Unterschrift. Der Wert des Stempels hängt in erster Linie vom Stein ab. Das Eingravieren der Zeichen - meist in archaischer Siegelschrift - ist dagegen billig. Im Freundschaftsladen und an anderen Stellen kann man sich als Ausländer einen chinesischen Namen geben und als Andenken seinen persönlichen Stempel anfertigen lassen. Dazu gehört dann noch ein Porzellandöschen mit roter Stempelfarbe.
In der Antiquitätenstraße Liulichang gibt es mehrere Läden für Gelehrtenbedarf. Die führende Adresse mit der größten Auswahl ist die Kunsthandlung "Rongbao Zhai", Liulichang Xijie 19. Hier erreicht der Preis von Pinseln vierstellige, von Tuschblöcken und Stempeln fünfstellige und von Reibsteinen sechsstellige Beträge!
|