Sich in der chinesischen Shoppinglandschaft zu orientieren, ist in den vergangenen Jahren wesentlich komfortabler geworden, teilweise zumindest. Mobile Apps wie WeChat, das chinesische WhatsApp, machen Dinge möglich, von denen Nutzer der genannten Alternative aus dem Westen, die sich noch über die Sprachnachrichtenaufnahme freuen, nur träumen können. Mit wenigen Handgriffen ist via WeChat Money der neue Kühlschrank bestellt, die Handyrechnung beglichen und das Feierabendbier im 24-Stunden-Laden bezahlt, letztere gibt es in Beijing ungelogen alle 100 Meter. Neben den lokalen Biersorten stehen dort in den Regalen mittlerweile auch mehrere deutsche, vornehmlich Weizenbiere und in Ausnahmefällen sogar deutsche H-Milch.
Während für die ersten beiden Einkaufs-Beispiele die WeChat-App Funktionen des Online-Shopping übernimmt, kreiert sie direkt im Laden QR-Codes, die wie eine EC-Karte an der Kasse eingelesen werden. Zaijian, Bargeld. Rudimentäre Chinesischkenntnisse sind dabei natürlich von Vorteil, Menschen mit einem guten fotographischen Gedächtnis können sich die Tastenkombinationen aber auch ganz leicht einprägen.
Zu beobachten bzw. mitzuerleben, wie sich die Technik hier entwickelt, ist durchaus beeindruckend. Beeindruckend ist gleichzeitig, wie schwer es nach wie vor ist, Schuhe in Größe 45 aufzutreiben. Früher war eine sichere Adresse für die Bekleidung europäischer Füße der Yashow-Markt in Sanlitun. Dieser erfuhr unlängst ein für den "Großfüßler" unerfreuliches "Upgrade", das alle Mini-Standverkäufer aus dem Gebäude verbannte. Auch bei internationalen Marken endet das Angebot im Schuhregal bei Größe 44. Für etwa 150 bis 200 Euro kann man sich alternativ dafür hier das Leder an den Fuß schneidern lassen.
Was in eine regelrechte Odyssee ausarten kann, ist der Wunsch nach dem orangefarbenem Alt-Gouda Vincent, oder frischer deutscher Salami. Zwar ist das Netz an Import-Supermärkten wie Jenny Lou oder April Gourmet maßgeblich gewachsen, aber dennoch lediglich auf den östlichen Teil der Stadt beschränkt. Jenseits des östlichen Zweiten Ringes wird die Auswahl mau und der wöchentliche Einkauf kann sich dann schon mal über viele Kilometer und Adressen erstrecken. Ein Grund zum Beschweren ist das allerdings nicht wirklich. Zum einen entspricht das Angebot ungefähr der Asia-Markt-Quote in München. Und zum anderen ist allein die Tatsache bemerkenswert, dass es möglich ist, in einem der Käsekultur so fernen Land wie China orangefarbenen Alt-Gouda zu bekommen.
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