Der "Duftberg" - was für ein verführerischer Name das ist! Weit im Westen Beijings gelegen und 25 Kilometer von der Stadt entfernt, ist er die meiste Zeit des Jahres ein verträumtes Stück Natur. Sein Gipfel reicht bis 557 Meter, der Xiang Lu Feng (Gui Jian Chou). Aber wonach duftet der Berg eigentlich? Wenn man in dieser Zeit ab Oktober hinaufsteigt, dann duftet es zuerst nach Herbst und schließlich nach Leidenschaft, denn die Wälder färben sich langsam rot. Auf dem Xiangshan wachsen unzählige europäische Perückensträucher und nicht wenige Ahornbäume, deren Blätter ab dem Herbst allmählich gelb bis rot werden. Es fängt bei einem an, dann beim nächsten und schließlich wird der ganze Berg rot. Nach einer langen Busreise, am Marktgeschrei der Läden vorbei gelangt man zum Eingang des Duftbergs. Dort angekomen, besichtigt man zuerst eine riesige Zierteekanne aus einer großen Menge von Pflanzen, neben der ein Reh „steht“, eben ein „pflanziges“ Tier. Der Fabenkontrast fängt dort schon an, rot gegen grün, so wie man es später im Berg noch intensiver erleben wird. Den Touristen bietet Xiangshan viele Sehenswürdigkeiten. Kurz hinter dem Eingang landet man in dem Bi Yun Si 碧云寺(Tempel der Azurblauen Wolke). Aufgrund der zusätzlichen Kosten wird der Massenansturm etwas zurückgehalten. Im Inneren ist es angenehm ruhiger als draußen. Was man nicht entgehen lassen sollte ist die Halle der 500 Arhats (Schüler Buddhas, welche durch Meditation und Askese von sämtlichen Leiden befreit wurden.) Man sagt, dass das eigne Gesicht dort auf irgendeinem Arhatsgesicht zu finden sei, was viele Besucher tatsächlich machen und dabei viel Spaß gehabt haben. Die Figuren sind in etwa lebensgroß und goldfarben. Der damalige Arbeitsort von Mao Ze Dong befindet sich eben im Xiangshan, die Shuangqing Villa. Abgesehen von den schon längst berühmten Sehenswürdigkeiten dort kann man auch die Kreativität der Menschen bewundern. Ein Händler verkauft Fahrräder, Motorräder und sogar spielende Figuren mit musikalischen Elementen, die so winzig aussehen im Vergleich zu den Originalen. Und das alles ausschließlich mit den beiden kleinen und einfachen Zangen und dem Metalldraht daneben! Glaubt man, dass der Mann dafür recht lange Zeit gebraucht hatte, so irrt man ganz und gar! Der wird den ganzen Anfertigungsprozess vor unseren Augen präsentieren! Ein kleines Fahrrad kostet nur circa 1 Euro und je nach Anfertigungskomplizität kostet das Einzelstück bis zu ungefähr 10 Euro.
Xiangshan erlebt fast das ganze Jahr eine Massenansturm, vor allem während der Herbstzeit. Sobald man den Gipfel besteigt, wird man die ermüdende Anreise sofort vergessen, denn ein Blick von oben hinab auf die Stadt aus Betonstahl und drückender Luft, erregt den Anschein, vom nervigen Alltagsleben befreit zu sein. Es hat sich gelohnt!
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