In Beijing gibt es viele Sakralbauten: buddhistische und daoistische Tempel, Moscheen und auch Kirchen. Aber viele Leute wissen nicht, dass es in Beijing auch einen Tempel gibt, der für die Kaiser aller Dynastien bestimmt ist. In einem alten Gedicht wird dieser Tempel so geschildert: „Brücken ohne Wasser, Gedenksteine ohne Sockel, Glocken, aber keine Trommel und keine Buddhafiguren.“
Der Tempel Diwangmiao liegt an der nördlichen Seite der Straße Fuchenggmennei des Bezirkes Xicheng. Er wurde im 9. Regierungsjahr (1350) des Ming-Kaisers Jia Jing an der Stelle des Bao'an-Tempels erbaut und im 7. Regierungsjahr (1729) des Qing-Kaisers Yong Zhengum gebaut. Die Gesamtfläche beträgt 21.500 Quadratmeter. Die Baufläche erreicht 6.000 Quadratmeter.
An beiden Seiten vor dem Haupteingang gibt es zwei Gedenksteine mit einer Inschrift auf Chinesisch, Mongolisch und Tibetisch. Sie lautet: „Beamte müssen hier vom Pferde steigen.“Vor dem Haupteingang gab es früher drei Brücken aus Marmor. Darunter gab es kein Wasser. An der südlichen Seite der Straße sieht man eine Abschirmungswand aus glasierten Steinen, die heute noch gut erhalten ist. Hinter dem Haupteingang liegt das Jingde-Tor. Auf jedem seiner zwei roten Flügel gibt es ein Pushou (einen Ring in Form eines Fabeltiers) und 9 x 9 gelbe Holznägel. Rings um das Tor sieht man Balustraden aus weißem Marmor. Vor und hinter dem Tor gibt es drei Treppen, die ebenfalls aus weißem Marmor gebaut sind. Die mittlere Treppe war für den Kaiser bestimmt.
Das Hauptgebäude dieses Tempels ist die Halle Jingde Chengsheng, die im Jahre 1530 errichtet wurde. Sie ist 51 m lang, 27 m breit und 20,9 m hoch. Ihr Dach wurde anfangs mit grün glasierten Ziegeln bedeckt, die während der Regierungsperiode des Qing-Kaisers Qian Long durch gelb glasierte Ziegel ersetzt wurden. In dieser Halle sieht man 60 Säulen aus Nanmu-Holz. Jede dieser Säulen hat einen Durchmeeser von 0,84 m und ist 11,13 m hoch. An der hinteren Wand der Halle gibt es sieben Nischen mit Gedenktafeln für 188 Kaiser, darunter die drei mythischen Kaiser Fu Yi, Huang Di und Yan Di.
Sowohl an der westlichen als auch an der östlichen Seite stehen Nebenhallen mit insgesamt 79 Gedenktafeln für Zivil- und Militärbeamte aus allen Dynastien. Auf dem Gelände des Hofes der östlichen Halle steht ein Glockenturm. Zu den anderen Bauten des Tempels gehören u. a. die Shenchu (Göttliche Küche), der Zaishengting (Schlacht-Pavillon) und das Jiqiku (Lager für Opfergefässe). In der Göttlichen Küche wurden die Opfergaben zubereitet. Der Schlacht-Pavillon diente zum Schlachten von Opfertieren.
Während der Zeit der Ming- und Qing-Dynastien wurde in diesem Tempel jedes Jahr im Frühling und Herbst jeweils eine Opferzeremonie gehalten. Der historischen Überlieferung zufolge fanden hier insgesamt 633 Opferzeremonien statt.
Nach dem Sturz der Qing-Dynastie wurde das Diwangmiao-Gelände zu einer pädagogischen Mädchenschule umgebaut. Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 war hier die Mittelschule Nr. 159 der Stadt Beijing. Im Jahre 2000 beschloss die Stadtregierung, die Mittelschule zu verlegen und den Tempel zu renovieren. Dafür wurden insgesamt 300 Millionen Yuan RMB investiert. Seit dem 8. April 2004 ist dieser renovierte Tempel für Touristen zugänglich.
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