Gut eine Stunde dauert die Fahrt vom Pekinger Zentrum auf der belebten Autobahn gen Norden. Nach dem Touristentrubel am Shuiguan-Abschnitt der Großen Mauer, nach Reihen grauer Arbeiterhäuser und Dorfrestaurants, die Hausmannskost versprechen, eröffnet sich hinter Zaun und Schlagbaum plötzlich eine andere Welt: Die "Commune by the Great Wall" ist privates Architekturmuseum, komfortables Hotel wie auch Refugium vor dem Lärm der Hauptstadt.
Gleich einem übergroßen, hölzernen Schuhkarton schiebt sich ein rechteckiger Bau in den Blick. Nur an einer Seite auf dem Fels verankert, wirkt er massiv und schwerelos zugleich. Die Straße biegt ins Walnusstal, passiert einen Pavillon mit geschwungenem Dach und dünnen Säulen auf hellem Fundament.
Ein Stück weiter folgen Stahl- und Betonkonstruktionen, die an die Terminals kleiner Flughäfen und Aussichtsplattformen in den Alpen erinnern. Schließlich erscheint ein Haus, das inzwischen weltweit als Symbol der asiatischen Architektur zwischen Meditation und Moderne verstanden wird: Aus Bambusstangen, Glas und dunklem Stein zusammengesetzt, scheint das "Bambuswand-Haus" des Japaners Kengo Kuma die Trennung zwischen Innen und Außen aufzuheben.
Mit insgesamt elf Villen und einem Klubhaus startete das Projekt "Kommune an der Großen Mauer" im Jahr 2002. Erdacht hatte es ein junges Unternehmerpaar, das seinen Aufstieg den kapitalistischen Wirtschaftsreformen Chinas unter kommunistischer Führung verdankt: Zhang Xin, früher Finanzanalystin in New York, und ihr Ehemann Pan Shiyi, der es vom Dorfjungen zum Immobilienzar gebracht hat. Mit erstaunlichem Geschick gelang es dem Paar, von örtlichen KP-Funktionären große Stücke Land zu erwerben.
Die beiden galten Ende der neunziger Jahre mit ihrer Firma SOHO China, die sich auf den Bau kombinierter Wohn- und Geschäftshäuser im Zentrum der Hauptstadt konzentrierte, als Stars der modernen Architektur- und Designerszene Chinas, die sich vom Geschmack der Neureichen mit ihren Kopien europäischer Herrenhäuser und Hollywood-Villen absetzte.
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