Irgendwann hat man in Peking jeden Tempel gesehen, jedes empfohlene Restaurant selbst getestet und jeden Park zum flanieren genutzt. Natur und Peking muss kein Widerspruch sein. Gemeint ist diesmal jedoch nicht eine künstlich angelegte Landschaft oder ein weiterer chinesischer Garten, sondern eine echte und noch unverfälschte Naturlandschaft.
Yougushentan (chinesisch: 幽谷神潭, You Gu Shen Tan) bedeutet so viel wie „das enge Tal und der göttliche Teich“. Yougushentan ist wirklich ein enges Tal und wird auch nur von einem schmalen Pfad durchzogen, der sich mühsam seinen Weg zum „fliegenden Wasserfall“ bahnt.
Yougushentan befindet sich im Huairou-Bezirk und ist 75km vom Stadtzentrum Pekings entfernt. An diesem Ort herrscht saubere Luft und das Klima ist angenehm. In der Freizeit kann man sich hier gut erholen. Die Tour zum „fliegenden Wasserfall“ ist ein Abenteuer für sich, setzt jedoch keine besonderen Fähigkeiten voraus. Wenn Zeit keine Rolle spielt (und in Yougushentan sollte aufgrund der schönen Natur Zeit keine Rolle spielen), kann jeder auch noch so ungeübte Wanderer die Strecke leicht bewältigen.
Wegen der besonderen geographischen Lage besitzt Yougushantan bizarre Felsformationen und Berge und die reichen und natürlichen Ressourcen spenden quellfrische Mineralquellen. Zwischen den Tälern fließen die Bäche mehrerer Quellen durch die schroffen Felsen. Auch wenn die herrliche Landschaft an sich bereits ein „Highlight“ ist, bildet der „fliegende Wasserfall mit dem göttlichen Teich“ am Ende der Route den Höhepunkt. Der „fliegende Wasserfall“ mit einer Höhe von einigen dutzend Metern hat zwei Teile. Im oberen Teil fließt die enge Strömung reißend. Dann stößt die Strömung wegen des großen Gefälles stark gegen die Steine, weswegen das Wasser aufspritzt. Im unten Teil fließt das Wasser auf einer großen steinernen Wand wie eine Gardine. Das natürliche Wasserspiel endet schlussendlich im „göttlichen Teich“.
Der Teich hat eine Fläche von 80 Quadratmetern und ist mehr als 6m tief. Das Wasser im „göttlichen Teich“ ist so klar, dass man den Eindruck hat, den Grund sehen zu können. Der Teich hat seinen Namen nach einer Legende. Laut der Legende, lebt seit Urzeiten am Grund des Teiches eine göttliche Schildkröte, die für das Klima zuständig ist. Die Legende besagt auch, dass früher hier das Volk die Schildkröte auch um Regen für die Felder gebeten hat. Nach jeder Bitte, regnete es auch jedes Mal. So erhielt der Teich den Namen „göttlicher Teich“.
Insgesamt sind in Yougushentan über zehn Orte auf der Route zum „göttlichen Teich“ ausgezeichnet. So gibt es auf der Route das „Tongtianmen“ (das Tor zum Himmel), Wohuling (die Bergkette des Tigers), das Steinhaus und viele weitere Stationen. Erwähnenswert ist auch die Kalligraphie und Malerei, die zahlreich auf Felsen geschnitzt wurden. Man kann die Kunstwerke der Künstler auf dem Weg zum „fliegenden Wasserfall“ und zum „göttlichen Teich“ bewundern.
Für alle die sich nun auf den Weg zum „fliegende Wasserfall“ und zum „göttlichen Teich“ machen wollen, sollte noch eine Anmerkung angebracht werden. Die Wassermenge in Yougushentan variiert mit der Jahreszeit. Nicht immer hat man einen tosenden Wasserfall. Bis in den April hinein sind noch zahlreiche Stellen im Tal vereist, auch wenn die Lufttemperatur bereits so hoch ist, dass keine Jacke mehr getragen werden muss. Ganz gleich jedoch, zu welcher Jahreszeit man Yougushentan besucht. Die Schlucht, die schroffen Felsen, die einen Kontrast zum tiefblauen Himmel bieten, sind immer einen Besuch wert. In China ist es zudem vollkommen üblich, auch für Natur ein Eintrittsgeld bezahlen zu müssen. Die 30 Yuan (umgerechnet rund drei Euro) die man für Yougushentan bezahlen muss, sind jedoch gut angelegt. In Yougushentan wandert man nicht (zumindest noch) entlang von vermüllten Wanderwegen.
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