Der Shicha See, auch vielfach unter dem Namen "Houhai" bekannt - im Südwesten des Trommel-Turms, wurde zur Zeit der Yuan Dynastie "Großer See" (Dapozi) genannt. Weinende Weiden zeichnen seinen Uferbereich aus und Ruderboote verkehren auf der Wasseroberfläche.
Es ist sieben Uhr abends an einem Sommertag, am Shichahai Lake, im zentralen Beijing. Eine angenehme Brise weht über den See und die rötlichen Reste des Sonnenuntergangs bleiben auf Dächern und Baumwipfeln zurück. Ein tiefes Summen strömt von den Bars am Seeufer und vermischt sich mit den Geräuschen der jungen, plaudernden, trinkenden und sich entspannenden Leuten sowie mit einem sanften Taubegurren. In den letzten zwei Jahren hat sich die Anzahl an Bars in Shichahai von drei bis Dutzend multipliziert. Houhai ist ein weithin bekannter Platz als eine Nacht als Barstraße Sanlitun Ostbeijings im Botschaftbezirk beschmutzen lassen. Aber im Gegensatz zur gänzlich trendigen Sanlitun Straße hat Shichahai - dass gerade fünf Kilometer entfernt liegt - noch das Ambiente einer alten Stadt bewahrt, trotz seines modernen Einschlags.
Von jeder Bar in Shichahai hat man eine Aussicht auf den blauen See. Das Wasser des Sees kräuselt sich und funkelt. Viele Lotusse schwimmen auf seiner Oberfläche. Weiden prägen die Ufer und wirken wie ein nebelhafter grüner Vorhang. Aus der Nähe schallt ein Summen der flanierenden Leute, die die 1.000 Einjahresbrücke überqueren. Die schmalen Wege schwingen mit dem abendlichen Treiben mit. Hinter ihnen ragen die Schattenbilder der ehemaligen Wohnsitze der historischen Persönlichkeiten hervor und die Glocke und Trommelturms erhallt.
Die traditionelle Lebensart und Kultur in Beijing ist in der letzten Dekade durch den Wirtschaftsboom in den Hintergrund geraten. Das Ziel ist es voranzukommen und konkurrezfähig mit dem Westen zu sein. Im Allgemeinen hat sich der Lebensrhythmus in der Hauptstadt beschleunigt. Die Mehrheit der Hutongs - die traditionellen Viertel mit ihren schmalen Gassen - Synonym für das traditionelle Beijing - sind abgerissen worden, um Bauland und Freiflächen für Hochhäuser und Straßen zu schaffen. Jene Hutongs, die erhalten geblieben sind, stehen häufig im krassen Kontrast zu Beijings metropolitanen Hintergrund und sehen teilweise Fehl am Platz aus. Shichahai hat jedoch sein ursprüngliches Antlitz und seine Atmosphäre bewahrt. Der Ort lässt sich auf die Yuan Dynastie (1271-1368) zurückdatieren. Hier sind die Palästgebäude, die Zunfthäuser und die Wohnsitze der Bürger rund um den Shichahai See, dank nachhaltiger Wartungs- und Renovierungsarbeiten intakt geblieben.
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