Es handelt sich um eine schöne Steinbrücke. Sie ist so schön, dass kaum eine auf Erden ihr gleichkommt." Dies schrieb der Italiener Marco Polo in seinen Reiseberichten über die Lugou-Brücke, die später in den westlichen Sprachen nach ihm selbst benannt wurde. Die Regierung der Jin-Dynastie ließ sie im Jahr 1189 über dem Yongding-Fluss im äußersten Südwesten Beijings errichten.
Die mächtige Steintafel am Fuß der Brücke trägt die vergoldete Gravur der Langzeichen für den Ausdruck „Lugou-Qiao" – „Schilfrohrgossenbrücke". Die schematische Darstellung im Sockelbereich zeigt die elf Bogenbrücken, die am tatsächlichen Bauwerk jeweils rund 20 Meter überspannen. Stilisierte Wellen, die an „Glückswölkchen" aus klassischen Gemälden erinnern, strömen zwischen den Pfeilern hervor.
In der Jin-Dynastie wurde die Brücke aus großen Steinquadern mit einer Länge von 235 Metern und einer Breite von 9,30 Metern angelegt. Ein Hochwasser zerstörte den ursprünglichen Bau im 17. Jahrhundert. Jedoch ließen die Kaiser der Qing-Dynastie (1644-1911) die Brücke den ursprünglichen Fundamenten entsprechend neu errichten. Heute ist die Marco-Polo-Brücke ein beliebtes Ausflugsziel für nationale und internationale Touristen.
Rund 500 individuell gestaltete Löwenskulpturen in unterschiedlichen Größen, Formen und Positionen verteilen sich über die gesamte Brücke. Die kleinsten sind nur wenige Zentimeter hoch. Läuft man über die Brücke, wird man zu beiden Seiten von diesen traditionellen „Wächterlöwen" flankiert, die jeden der Geländerpfosten bekrönen. In der chinesischen Symbolik gilt der Löwe als Wesen der Kraft und Macht.
Ausgehend von der östlichen Seite der Brücke erstrecken sich die malerischen Westberge am anderen Ende des Bauwerks. Die Löwin im Vordergrund hält ein Jungtier vor sich, womit das Gedeihen der Nachkommen und das Wachstum des Reiches symbolisiert werden soll. Die Tatze des daran anschließenden Löwen ruht auf einer Kugel als Zeichen einer guten Herrschaft und der Einheit des Staates.
Jeweils zwei ornamentale Marmorsäulen ragen am West- und Ostende der Marco-Polo-Brücke fünf Meter in die Höhe. Sie stammen aus der Zeit der Restauration während der Qing-Dynastie. Eine der Säulen trägt die Gravur, mit der die Kalligrafie des vierten Qing-Kaisers Kangxi aus dem 17. Jahrhundert nachempfunden wurde. Die Aufschrift lautet „Morgendlicher Mond über Lugou" (盧溝曉月 Lúgōu xiǎoyuè).
Die Marco-Polo-Brücke ist auch aufgrund eines historischen Ereignisses bekannt: Am 7. Juli 1937 wurde sie zum Schauplatz eines Feuergefechts zwischen der Kaiserlichen Japanischen Armee und der Nationalrevolutionären Armee der Republik China. Offiziell gilt dieser „Zwischenfall" als Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen-Kriegs.
(Quelle:CRI)
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